Wahlperioden durchlaufen

eine Wahlperiode

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Rang

2555

Dauer Mitgliedschaft

3 Jahre, 351 Tage

Alter beim Eintritt

69

Mitglied der...

13. Wahlperiode (1994-1998)

Bekommen

2006-02, 2006-02

Externe Verweise

Wikipedia

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Letzte Aktualisierung dieser Seite

02. November 2008

Eintrag aus der Deutschen Wikipedia

Hierbei handelt es sich um einen Auszug, abgerufen im September 2008. Die Inhalte können heute schon anders aussehen.

Gerhard Zwerenz (* 3. Juni 1925 in Gablenz, heute Crimmitschau, Sachsen) ist ein deutscher Schriftsteller und ehemaliger Bundestagsabgeordneter.

Leben und Werk

Gerhard Zwerenz wurde in Gablenz/Sachsen als Sohn eines Ziegeleiarbeiters und einer Textilarbeiterin geboren. Er begann nach der Schulzeit eine Kupferschmiedlehre, nahm dann zwei Jahre lang am Zweiten Weltkrieg teil und geriet 1944 nach seiner Desertion zur Roten Armee bei Warschau in russische Kriegsgefangenschaft. 1948 kehrte er aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Er wurde zunächst Dozent und dann Volkspolizist. Von 1949 bis 1957 war Zwerenz Mitglied der SED. Von 1952 bis 1956 studierte er Philosophie bei Ernst Bloch in Leipzig und ist heute neben Hans Heinz Holz und Günther Zehm einer der wenigen noch lebenden Schüler dieses bedeutenden deutschen Philosophen der russischen Oktoberrevolution (Oskar Negt). Seit 1956 arbeitete Gerhard Zwerenz als freiberuflicher Schriftsteller. 1957 wurde er aus der SED ausgeschlossen und floh ein halbes Jahr später nach West-Berlin. Gerhard Zwerenz lebte in München, Köln und Offenbach/Main und lebt heute, gemeinsam mit der Autorin Ingrid Zwerenz, in Schmitten/Taunus.

1959 verfasste Gerhard Zwerenz Die Liebe der toten Männer, eine romanhafte Gestaltung des Aufstandes vom 17. Juni 1953. 1961 schrieb Zwerenz die Essaysammlung Ärgernisse - Von der Maas bis an die Memel. Den Essayband Wider die deutschen Tabus brachte er 1962 heraus, genauso wie Gesänge auf dem Markt und Heldengedenktage. Ein Jahr später verfasste er Dreizehn Versuche, eine ehrerbietige Haltung anzunehmen und eine biografische Skizze über Walter Ulbricht.

Mit Casanova oder Der Kleine Herr in Krieg und Frieden verfasste Zwerenz einen Bestseller. In der Gestalt des Helden Michel Casanova wird der Typ des unangepassten Menschen in verschiedenen gesellschaftlichen Systemen geschildert. Die Folgejahre thematisierte er die Sexualität mit Büchern wie Erbarmen mit den Männern. Ein Roman vom Aschermittwochsfest und den sieben Sinnlichkeiten. 1971 schrieb er den Roman Kopf und Bauch und den Essayband Der plebejische Intellektuelle. 1973 dann Die Erde ist unbewohnbar wie der Mond, eine Kritik der Lebensverhältnisse in der Bundesrepublik. Die darin prominent agierende Figur eines jüdischen Grundstücksspekulanten - eine kaum verhüllte Karikatur Ignatz Bubis' - löst bei Erscheinen des Werks einen Skandal aus und bringt dem Autor den Vorwurf antisemitischer Schriftstellerei ein. Zwerenz' Freund Rainer Werner Fassbinder verarbeitete den Roman einige Jahre später zu seinem ebenso - wenn nicht noch stärker - umstrittenen Theaterstück "Der Müll, die Stadt und der Tod". 1980 spielt Zwerenz in dem Rainer Werner Fassbinder-Epos Berlin Alexanderplatz mit.

In den folgenden Jahren veröffentlichte Gerhard Zwerenz seinen Essayband Der plebejische Intellektuelle (Ffm. Collection Fischer [1972]), Der Widerspruch. Autobiographischer Bericht (1974) und Die Quadriga des Mischa Wolf (1975), worin die von der Staatssicherheit der DDR und deren Leiter Markus Wolf inszenierte Agentenaffäre Guillaume verarbeitet wird. Danach beschloss Zwerenz, seine Werke nur noch als Taschenbücher zu veröffentlichen. 1982 verfasste er dann Antwort an einen Friedensfreund oder längere Epistel für Stephan Hermlin und meinen Hund und 1989 den Roman Vergiß die Träume Deiner Jugend nicht. Zu seinem 65. Geburtstag 1990 kündigte Gerhard Zwerenz an, dass er nicht mehr schreiben wolle und in Rente gehe.

Während seiner schriftstellerischen Tätigkeit schrieb Zwerenz unter dem Pseudonym Gert Amsterdam auch erotische bis pornografische Literatur. Eines dieser Bücher, Das Kleingeld der Hetären wurde von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien 1987 als jugendgefährdend indiziert.

1991 erhielt er den Alternativen Georg-Büchner-Preis. Die politischen Schriften Rechts und dumm und Links und lahm schrieb er 1993 und 1994. Von 1994 bis 1998 war Zwerenz über die offene Liste der PDS Mitglied des deutschen Bundestags. 2004 schrieb er ein Vorwort für das Buch des Ex-Rechten Torsten Lemmer, "Rechts aus". Außerdem erschien sein gemeinsam mit Ingrid Zwerenz geschriebenes Buch Sklavensprache und Revolte.

Die linke Berliner Tageszeitung junge Welt veröffentlichte im Zusammenhang mit Gerhard Zwerenz' 80. Geburtstag (2005) im Feuilleton (jW 7. Mai 2005, p. 12) Zwerenz' zuerst 1948 publizierte, der politisch engagierten Poetik Bertolt Brechts nicht nachstehende, Anti-Kriegs-Ballade vom Holzhaufen bei Minsk.

Im übrigen soll es der damalige Ernst-Bloch-Schüler Gerhard Zwerenz gewesen sein, der in der damaligen DDR J.H. Mackays Poem "Mutter der Freiheit, Revolution!" (1894) als politische Losung popularisierte: "Die Mutter der Freiheit heißt Revolution".

Werkverzeichnis (eine Auswahl)

Ehrungen

Zitate

"Intellektuelle, die wissen können, was zu tun ist, es aber unterlassen, werfen ihre Würde fort und erstarren zu Fanatikern der Obrigkeit" (Der plebejische Intellektuelle, 1972)

"Bevor die deutsche Rechte Juden ermordete, ermordete sie Sozialisten und Kommunisten. Warum wohl?" (Die Zeit, 9. April 1976)

"Die [deutsche] Linke in ihrer Denkfaulheit - analphabetisch, suhrkampkulturverklebt und politisch deformiert" (Vorwärts, 22. Februar 1986)