Wahlperioden durchlaufen

eine Wahlperiode

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Rang

567

Dauer Mitgliedschaft

16 Jahre, 235 Tage

Alter beim Eintritt

33

Bekommen

2004-01, 2004-01, 2004-03, 2004-04, 2004-05, 2004-07, 2004-07, 2006-04

Externe Verweise

Wikipedia

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Letzte Aktualisierung dieser Seite

02. November 2008

Eintrag aus der Deutschen Wikipedia

Hierbei handelt es sich um einen Auszug, abgerufen im September 2008. Die Inhalte können heute schon anders aussehen.

Ludger Volmer (* 17. Februar 1952 in Gelsenkirchen-Ückendorf) ist ein deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen).

Er war von 1998 bis 2002 Staatsminister im Auswärtigen Amt.

Ausbildung und Beruf

Nach dem Abitur 1971 am humanistischen Schalker Gymnasium absolvierte Volmer ein Studium der Sozialwissenschaften, der Pädagogik und der Philosophie in Bochum und Gießen, welches er 1978 an der Ruhr-Universität Bochum als Diplom-Sozialwissenschaftler abschloss. Er unterbrach das Studium für seinen Zivildienst im Krankenhaus. Nach dem Studium war er beruflich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität, in der Wohnumfeldplanung beim Kommunalverband Ruhrgebiet, in der Erwachsenenbildung bei der Volkshochschule Gelsenkirchen und in der empirischen Sozialforschung tätig. 1998 wurde er bei Wilhelm Bleek an der Ruhr-Universität Bochum mit der Arbeit Die Grünen und die Außenpolitik - ein schwieriges Verhältnis zum Dr. rer. soc. promoviert. 1978 veröffentlichte er (mit Karl-Heinz Lehnardt)das Buch "Politik zwischen Kopf und Bauch", in dem er aus der Sicht eines 78ers das Selbstverständnis der 68er, Studentenbewegung und APO analysierte.

Volmer ist heute als freiberuflicher Unternehmensberater im Bereich internationales Marketing und strategische Unternehmensentwicklung tätig. In diesem Zusammenhang ist er Mitgesellschafter einiger Beratungsunternehmen, u. a. der in Bad Honnef ansässigen Synthesis GmbH.

Seit 2006 ist er zudem Dozent an der Freien Universität Berlin. Er lehrt am Otto-Suhr-Institut Außen- und Sicherheitspolitik.

Familie

Volmers Vater Günter Volmer war von 1969 bis 1983 Mitglied des Deutschen Bundestages (CDU). Seine Mutter Maria-Theresia und seine Großväter Peter Volmer und Bernhard Saager waren Gründungsmitglieder der KAB und CDU. Ludger Volmer hat einen Sohn.

Partei

Volmer war seit 1969 in meist selbst mitgegründeten (Bürger-)Initiativen aktiv, etwa in der freiwilligen Sozialarbeit in Obdachlosensiedlungen. An der Universität gehörte er seit 1974 zu den Initiatoren der "undogmatisch-linken" Basisgruppen, die er in nahezu allen Uni-Gremien vertrat. In der Folge zählte er 1979 zu den Mitbegründern zunächst der Sonstigen Politischen Vereinigung SPV Die Grünen, dann der Partei Die Grünen. In den Zeiten der Spaltung der Partei in Fundis und Realos war er lange Zeit führender Repräsentant der gemäßigten Linken, gründete das "Linke Forum" und machte sich für die Integration der zerstrittenen Partei stark. Auf dieser Basis war er von 1991 bis 1994 Parteivorsitzender ("Sprecher des Bundesvorstandes"). Er organisierte den Wiedereinzug in den Bundestag 1994, aus dem die westdeutschen Grünen (anders als das ostdeutsche Gegenstück) 1990 ausgeschieden waren. Zu diesem Zweck managte er die Fusion mit Bündnis 90 - Bürgerrechtlern der ehemaligen DDR - und den ostdeutschen Grünen und wurde erster Vorsitzender der fusionierten Partei Bündnis 90/Die Grünen. Neben einer tiefgreifenden Reform der Parteistrukturen förderte er die Gründung eines eigenständigen Verbandes der grünen Jugend, initiierte er die Neuordnung des grün-nahen Stiftungswesens (Heinrich-Böll-Stiftung) und rief er die grüne Parteizeitung "Schräg/strich" ins Leben. Zudem eröffnete er offizielle Beziehungen zum Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes und verschiedener Einzelgewerkschaften und bereitete so den Boden für die spätere Rot-Grüne Koalition im Bund. Bei den Koalitionsgesprächen 1998 verhandelte er als Mitglied der grünen Verhandlungskommission die Außenpolitik. Er war maßgeblich an zahlreichen, auch heute noch gültigen Programmschriften beteiligt.

Abgeordneter

Am 10. April 1985 rückte Volmer wegen des damals bei den Grünen geltenden Rotationsprinzips in den Bundestag nach, dem er zunächst bis 1990 angehörte. Seine Fraktion entsandte ihn in den Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Auswärtigen Ausschuss und Finanzausschuss. Zudem war er u. a. Mitglied der deutschen Parlamentsdelegation bei Internationaler Währungsfonds und Weltbank. Am 1. Februar 1986 wurde Volmer als bisher jüngster Abgeordneter zu einem der Fraktionsvorsitzenden ("Sprecher") gewählt. Am 18. Juli legte er das Amt nieder, weil er bei der Aufstellung der Landesliste für die nächste Bundestagswahl nur einen unsicheren Platz bekommen hatte.

Inhaltlich übernahm Volmer von seiner Vorgängerin Gaby Gottwald die Lateinamerika-Politik. Er engagierte sich besonders für die Befreiungs-, Emanzipations- und Friedensprozesse in Nicaragua, El Salvador und Chile.

Sein wichtigstes Anliegen aber war die Neudefinition der Entwicklungspolitik. Gegen die hilfsorientierte Projektpolitik setzte er einen weltwirtschaftskritischen Ansatz, der die ungerechten Handelsbeziehungen zwischen Nord und Süd sowie die internationale Schuldenkrise ins Zentrum rückte. So gehörte er 1985 zu den Initiatoren des ersten "Gegengipfels" samt Großdemonstration gegen das G7-Treffen in Bonn. Anschließend organisierte er mit einem immer breiter werdenden Bündnis von NGOs eine weltwirtschaftskritische Kampagne, die 1988 anlässlich der Jahrestagung von IWF und Weltbank in West-Berlin in einen international viel beachteten Alternativkongress, eine Großdemonstration und zahlreiche dezentrale Aktionen mündete. In der Folge beteiligte er sich an der Gründung der Koordinierungsstelle WEED (World economy ecology and development) und der Herausgabe des "Infobriefs Weltwirtschaft & Entwicklung". In der Fraktion verantwortete er als Sprecher für Weltwirtschaftsfragen die Erarbeitung der Programmschrift "Auf dem Weg zu einer ökologisch-solidarischen Weltwirtschaft". Volmer und seine Mitstreiter versuchten mit der Kampagne zudem, die Dritte-Welt-Bewegung, die Umweltbewegung und die Friedensbewegung, die bis dahin nebeneinander agiert hatten, zu einer einheitlichen Bewegung zu integrieren. Zahlreiche von Volmer propagierte Ideen und Positionen wurden später von globalisierungskritischen Bewegungen wie attac weitergetragen.

1994 zog Volmer erneut in den Deutschen Bundestag ein und konzentrierte sich auf den Auswärtigen Ausschuss. Er wurde Mitglied der deutschen Delegation bei der Parlamentarischen Versammlung der OSZE. Dort gründete er die grün-alternative Gruppierung, deren Vorsitz er übernahm. Zudem wurde er stellvertretender Vorsitzender der deutsch-amerikanischen und der deutsch-russischen Parlamentariergruppe. Ende 2002 wurde er außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion.

Inhaltlich konzentrierte er sich auf die Suche nach zivilen Alternativen zur militärgestützten Außen- und Sicherheitspolitik. Er suchte nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes und angesichts neuer Bedrohungen auf der Basis eines erweiterten Sicherheitsbegriffs Krisenprävention und zivile Konfliktbearbeitung zu strategischen Ausgangspunkten einer modernen deutschen und europäischen Sicherheitspolitik zu machen. Er grenzte sich zunehmend von einem abstrakten Gesinnungspazifismus ab und versuchte, Umrisse eines politischen Pazifismus zu entwerfen, der handlungsmächtige Instrumente und Strategien an die Stelle der militärischen setzen konnte. Er anerkannte aber, dass unter dem Primat des Zivilen militärische Komponenten nicht gänzlich auszuschließen seien. Auf dieser Basis hinterfragte Volmer intensiv die deutsche Beteiligung an den Balkan-Missionen, lehnte er den Irak-Krieg vehement und engagiert ab und billigte er einen begrenzten Militäreinsatz gegen die terroristische Infrastruktur in Afghanistan. Volmer analysierte die Ideen-, Programm- und Ereignisgeschichte der grünen Außen- und Friedenspolitik 1998 in seiner Doktorarbeit. Zahlreiche seiner Textbausteine fanden Einzug in Schul- und Lehrmaterialien.

Am 11. Februar 2005 legte Ludger Volmer im Zuge der sog. Visa-Affäre auf einer Landesvorstandssitzung der GRÜNEN Nordrhein-Westenfalen seinen Sitz im Auswärtigen Ausschuss und als außenpolitischer Sprecher nieder. Zudem kündigte er an, für die Dauer seines Bundestagsmandats seine Mitarbeit in der Firma Synthesis ruhen und Gesellschafteranteile von einem Treuhänder verwalten zu lassen. Mit diesem Schritt wollte er erreichen, dass die mediale Berichterstattung zu seiner wirtschaftlichen Tätigkeit keine negativen Auswirkungen für seine Partei bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein habe. In der ersten öffentlichen Anhörung eines Untersuchungausschusses wurde Volmer später fast zehn Stunden lang zur Visa-Politik befragt. Der Bericht des Ausschusses schreibt Volmer keinerlei Verschulden zu. Auch das abweichende Minderheitsvotum der Opposition wiederholt keinen persönlichen Vorwurf. Zudem hat Volmer seitdem eine Reihe gerichtlicher Auseinandersetzungen wegen falscher Behauptungen in einigen Medien gewonnen.

Bei der Bundestagswahl 2005 kandidierte er wegen der von ihm so empfundenen mangelnden Solidarität seines Landesverbandes nicht wieder für den Deutschen Bundestag.

Öffentliche Ämter

Nach der Bundestagswahl 1998 wurde er am 27. Oktober 1998 als Staatsminister im Auswärtigen Amt in die von Bundeskanzler Gerhard Schröder geführte Bundesregierung berufen. Nach der Bundestagswahl 2002 schied er am 22. Oktober 2002 wieder aus der Regierung aus.

Gesellschaftliche Ämter

Als Staatsminister war Volmer Verwaltungsratsmitglied der Deutschen Welle. Als Initiator der Zentrums für internationale Friedenseinsätze (ZIF, Berlin) wurde er auch dort Mitglied des Aufsichtsrates. Ab 1998 übernahm er zudem eine Vorstandsposition in der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Ende der neunziger Jahre war er bereits von Ministerpräsident Johannes Rau in NRW in das Kuratorium der Landesstiftung Entwicklung und Frieden berufen worden.

Sonstiges

In einer Talkrunde nach der Bundestagswahl 1994 äußerte sich Volmer unter anderem, er freue sich auf eine "feministische" Oppositionsarbeit.

Im Jahre 2002 wurde Volmer von einigen Medien vorgeworfen, dienstlich erworbene Bonusmeilen der Lufthansa für private Flüge von Frau und Sohn genutzt zu haben (siehe Bonusmeilen-Affäre). Er konnte aber nachweisen, dass seine Frau mit Einverständnis und im Auftrage des Auswärtigen Amtes geflogen war und für seinen Sohn private Meilen zur Verfügung standen.

Siehe auch