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Letzte Aktualisierung dieser Seite 02. November 2008
Eintrag aus der Deutschen Wikipedia Hierbei handelt es sich um einen Auszug, abgerufen im September 2008. Die Inhalte können heute schon anders aussehen. Helmut Heinrich Waldemar Schmidt (* 23. Dezember 1918 in Hamburg) ist ein deutscher Politiker (SPD) und war von 1974 bis 1982 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. In seine Regierungszeit fielen die Gründung des Weltwirtschaftsgipfels (heute Gruppe der Acht) im Jahr 1975 und der Terror der linksextremistischen Rote Armee Fraktion, der 1977 im sogenannten Deutschen Herbst mündete. Ferner war er 1967 bis 1969 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, 1969 bis 1972 Bundesminister der Verteidigung, 1972 Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen, 1972 bis 1974 Bundesminister der Finanzen und leitete kurzzeitig das Auswärtige Amt (17. September 1982 bis 1. Oktober 1982). Seit 1983 ist Schmidt Mitherausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit". Ausbildung und Wehrdienst Nach dem Abitur 1937 an der Lichtwark-Schule in Hamburg leistete Schmidt zunächst seinen Arbeits- und Wehrdienst ab. 1939 wurde Helmut Schmidt von der Wehrmacht zum Wehrdienst eingezogen und bei der Luftabwehr, genauer Flakartillerie, in Vegesack stationiert. In dieser Zeit hatte er eine intensive freundschaftliche Beziehung zu Tim und Cato Bontjes van Beek und deren Familie. Als er dann in Berlin eine Offiziersschule besuchte, brach er diese Freundschaft wegen deren Kontakte zur Widerstandsgruppe Rote Kapelle mit der Begründung ab, damit dürfe er als angehender deutscher Offizier nichts zu tun haben. Von 1941 bis 1942 kämpfte Schmidt als Offizier an der Ostfront und erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Anschließend war er bis 1944 als Referent für Ausbildungsvorschriften der leichten Flakartillerie im Reichsluftfahrtministerium in Berlin und in Bernau eingesetzt. Als Angehöriger des Reichsluftfahrtministeriums wurde Oberleutnant Helmut Schmidt als Zuschauer zu den Schauprozessen des Volksgerichtshofes gegen die Männer des 20. Juli 1944 abkommandiert. Angewidert vom Verhalten des Vorsitzenden Richters Roland Freisler, ließ sich Schmidt von seinem vorgesetzten General von der Zuhörerschaft entbinden. Von Dezember 1944 bis Kriegsende 1945 kämpfte Schmidt als Batteriechef an der Westfront. Anfang 1945 äußerte er sich während einer Übung auf dem Flak-Schießplatz Rerik an der Ostsee kritisch über Reichsmarschall Hermann Göring und das NS-Regime. Dafür wollte ihn ein NS-Führungsoffizier vor Gericht stellen lassen. Ein Prozess wurde jedoch verhindert, indem zwei vorgesetzte Generäle Schmidt durch ständige Versetzungen dem Zugriff der Justiz entzogen. Im April 1945 geriet Oberleutnant Helmut Schmidt in Soltau in der Lüneburger Heide in britische Kriegsgefangenschaft. In einem belgischen Gefangenenlager nahm ihm der "Vortrag" des religiösen Sozialisten Hans Bohnenkamp über das Thema "Verführtes Volk" im Juni 1945 die letzten "Illusionen" über den Nationalsozialismus. Am 31. August 1945 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Nach Gründung der Bundeswehr wurde Helmut Schmidt im März 1958 zum Hauptmann d. R. ernannt. Im Oktober/November 1958 nahm er an einer Wehrübung teil und wurde zum Major d. R. befördert. Wegen angeblichem Militarismus wurde Schmidt noch während der Übung aus dem Vorstand der SPD-Bundestagsfraktion abgewählt. Studium und Beruf Nach Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft studierte Schmidt in Hamburg Volkswirtschaftslehre und beendete sein Studium 1949 als Diplom-Volkswirt. Er war bis 1953 bei der von Karl Schiller geleiteten Behörde für Wirtschaft und Verkehr der Freien und Hansestadt Hamburg tätig. Hier leitete er von 1952 bis 1953 das Amt für Verkehr. Seit 1983 ist er Mitherausgeber der Wochenzeitung Die Zeit. Schmidt ist Mitglied des Vereins Atlantik-Brücke, Ehrenpräsident der Deutsch-Britischen Gesellschaft, Ehrenvorsitzender der von ihm selbst mitbegründeten Deutschen Nationalstiftung und Ehrenvorsitzender des ebenfalls von ihm selbst mitbegründeten InterAction Council, einem Rat ehemaliger Staatsmänner und -frauen, den er mit Freunden initiiert hat und dessen Vorsitzender er von 1985-1995 war. 1993 wurde die Helmut-und-Loki-Schmidt-Stiftung (Hamburg) gegründet. 1995-1999 war er Präsident des Deutschen Polen-Instituts (Darmstadt). Sein Privatarchiv wird im Archiv der sozialen Demokratie verwaltet. Helmut Schmidt war 1997 Erstunterzeichner der Allgemeinen Erklärung der Menschenpflichten. Familie und Persönliches Schmidts Vater war der uneheliche Sohn eines deutschen Kaufmanns jüdischen Glaubens und einer Kellnerin. Nach Aussage Helmut Schmidts, selbst ein Protestant, vertuschten er und sein Vater dies durch Urkundenfälschung, sodass der Ariernachweis erteilt wurde. Als "jüdischer Mischling" wäre Helmut Schmidt benachteiligt worden; auch seine Verwendung als Offizier der Wehrmacht wäre fraglich gewesen. In der Öffentlichkeit gab Schmidt diese Zusammenhänge erst 1984 auf Nachfrage bekannt, als Journalisten dies von Valéry Giscard d’Estaing über dessen deutschen Freund erfuhren. In seinen Kindheitserinnerungen (1992) schreibt er, seine Herkunft habe seine Ablehnung des Nationalsozialismus mitbestimmt. "Der Oberschüler Schmidt, der zum Zeitpunkt der Machtübertragung an Hitler 14 Jahre alt war, wusste, dass er "Vierteljude" war und als rassisch minderwertig gegolten hätte, wenn dieser Sachverhalt bekannt geworden wäre. Der Hitler-Jugend gehörte er anfangs nicht ungern an; im Sommer 1936 nahm er an einem "Adolf-Hitler-Marsch" von Hamburg nach Nürnberg zum Reichsparteitag der NSDAP teil. Er wurde kein Nationalsozialist, ließ sich aber zeitweilig von der "sozialistischen", die Werte der Gemeinschaft beschwörenden Propaganda des Regimes beeindrucken." - Heinrich August Winkler[9] Helmut Schmidt heiratete am 27. Juni 1942 Hannelore Glaser ("Loki"). Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Sein behindert geborener Sohn Helmut Walter (* 26. Juni 1944) verstarb noch vor seinem ersten Geburtstag (Februar 1945), Tochter Susanne, die heute für den Wirtschaftsfernsehsender Bloomberg TV in London arbeitet, wurde 1947 geboren. Im Herbst 1981 erkrankte Schmidt ernstlich, so dass ihm am 13. Oktober 1981 im Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz ein Herzschrittmacher eingesetzt wurde. Zuvor musste der damalige Bundeskanzler aufgrund von Adams-Stokes-Anfällen zweimal wiederbelebt werden.[10] Schmidt wohnt seit langem in Hamburg-Langenhorn. Einen Zweitwohnsitz haben die Eheleute Schmidt am holsteinischen Brahmsee. Seine Konfession ist evangelisch-lutherisch, er selbst bezeichnet sich allerdings als nicht religiös, sei aber auch kein Atheist.[11] Im Juni 2007 äußerte er in einem TV-Interview in der Sendung "Menschen bei Maischberger", er "vertraue" nicht mehr auf Gott, u. a. weil Gott Auschwitz zugelassen habe.[12] Auf die an ihn gestellte Frage, ob er das Amt des Bundeskanzlers gerne ausgeübt habe, antwortete er mit: "Eigentlich nicht sonderlich gern, nein." Diese Aussage begründete er damit, dass das Amt des Bundeskanzlers eine sehr große Belastung vor allem für das Privatleben sei.[13] Partei Unmittelbar nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft 1945 schloss sich Schmidt, nach eigenen Angaben beeinflusst durch den Mitgefangenen Hans Bohnenkamp, der SPD an.[11] Hier engagierte er sich zunächst im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) und war 1947/48 dessen Vorsitzender. Von 1968 bis 1984 war Schmidt stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD. Anders als die beiden anderen sozialdemokratischen Bundeskanzler Willy Brandt und Gerhard Schröder war Schmidt nie Bundesvorsitzender seiner Partei. Abgeordneter Von 1953 bis zum 19. Januar 1962 und von 1965 bis 1987 gehörte Schmidt dem Deutschen Bundestag an. Nach seinem Wiedereinzug 1965 wurde er sofort stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Von 1967 bis 1969, während der ersten Großen Koalition der Bundesrepublik, hatte er schließlich den Vorsitz der Fraktion inne; das Amt, das ihm, nach eigenen Angaben, in seiner politischen Laufbahn am meisten Spaß gemacht hat. Vom 27. April 1967 bis 1969 leitete er den Fraktionsarbeitskreis Außenpolitik und gesamtdeutsche Fragen. Vom 27. Februar 1958 bis zum 29. November 1961 war er außerdem Mitglied des Europäischen Parlaments. Helmut Schmidt ist 1953 und 1965 über die Landesliste Hamburg, 1957 und 1961 als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Hamburg VIII und danach stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Hamburg-Bergedorf in den Bundestag eingezogen. Ämter und politische Funktionen Senator in Hamburg (1961-1965) Vom 13. Dezember 1961 bis zum 14. Dezember 1965 amtierte Helmut Schmidt als Senator der Behörde für Inneres der Freien und Hansestadt Hamburg. In diesem Amt erlangte er vor allem als Krisenmanager bei der Sturmflut 1962 an der deutschen Nordseeküste in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 Popularität und sehr hohes Ansehen. Neben der Koordination eines Großeinsatz von Rettungsdiensten, Katastrophenschutz und THW hatte Schmidt bestehende Kontakte zur Bundeswehr und NATO genutzt, um auch mit Soldaten, Hilfsgütern und insbesondere Hubschraubern und Pioniergerät der Bundeswehr und der Besatzungsmächte schnelle und umfassende Hilfe zu ermöglichen. Schmidt schaffte damit einen Präzedenzfall für mögliche Einsätze von Bundeswehr und Militärressourcen im Inland im Rahmen von Amts- und Nothilfe bei Naturkatastrophen. SPD-Fraktionsvorsitzender im Bundestag (1966-1969) Bei den Wahlen von 1965 errang Helmut Schmidt erneut ein Bundestagsmandat. Als ein Jahr später die unionsgeführte Regierung Erhard stürzte, bildete die SPD zusammen mit den Unionsparteien CDU/CSU die erste Große Koalition mit Kurt-Georg Kiesinger (CDU) als Kanzler und Willy Brandt (SPD) als Vize-Kanzler und Außenminister. Schmidt und Rainer Barzel fielen dabei als Fraktionsvorsitzenden der beiden Haupt-Koalitionspartner Schlüsselrollen bei der Abstimmung der parteiinternen Arbeit zu. Auf dieser Basis entstand ein persönliches Freundschaftverhältnis mit dem politischen Gegner Barzel, das bis zu dessen Tod anhielt. Schmidts erfolgreiche Tätigkeit als Hamburger Innensenator und Fraktionsvorsitzender machten ihn zu einem der ersten Anwärter seiner Partei auf höhere Regierungsaufgaben in der Bundespolitik. Bundesminister (1969-1974) Nach dem Wahlsieg der SPD in der Bundestagswahl 1969 und der Vereinbarung der Sozialliberalen Koalition mit der FDP, berief Bundeskanzler Willy Brandt Helmut Schmidt am 22. Oktober 1969 als Bundesminister der Verteidigung in die neue Bundesregierung. In seiner Amtszeit wurde der Grundwehrdienst von 18 auf 15 Monate verkürzt und die Gründung der Bundeswehruniversitäten in Hamburg und München beschlossen. Am 7. Juli 1972 übernahm er nach dem Rücktritt von Professor Karl Schiller das Amt des Finanz- und Wirtschaftsministers. Nach der Bundestagswahl 1972 wurde dieses "Superministerium" wieder geteilt. Die FDP stellte ab dem 15. Dezember 1972 den Bundeswirtschaftsminister. Schmidt führte weiterhin das Bundesministerium der Finanzen. Bundeskanzler (1974-1982) Nach dem Rücktritt Willy Brandts als Regierungschef wählte der Bundestag Schmidt am 16. Mai 1974 mit 267 Ja-Stimmen zum 5. Kanzler der Bundesrepublik. Die größten Herausforderungen in seiner Amtszeit waren: Die Ölkrisen der 1970er Jahre, die die Bundesrepublik unter seiner Führung besser überstand als die meisten anderen Industriestaaten, und der Terrorismus der Rote Armee Fraktion im sogenannten "Deutschen Herbst". Seine frühere Verhandlungsbereitschaft mit den Terroristen sah er später als Fehler an und verfolgte von da eine unnachgiebige harte Linie, die ihm Kritik der Angehörigen der Todesopfer einbrachte. Gemeinsam mit dem französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d’Estaing, mit dem ihn eine persönliche Freundschaft verbindet, verbesserte Schmidt die deutsch-französischen Beziehungen und verwirklichte entscheidende Schritte hin zur weiteren europäischen Integration. So wurde kurz nach Schmidts Amtsübernahme der Europäische Rat etabliert, und auch die wirtschaftspolitisch bedeutendste Maßnahme seiner Regierungszeit erfolgte in Zusammenarbeit mit Giscard: die Einführung des Europäischen Währungssystems und der Europäischen Währungseinheit (ECU) zum 1. Januar 1979, aus der später der Euro hervorgehen sollte. Auf eine Idee Schmidts und Giscards ging auch die Gründung der Gruppe der 7 zurück. Im Jahr 1977 wies Schmidt als erster westlicher Staatsmann auf die Gefahren für das Rüstungsgleichgewicht durch die neuen SS-20 Mittelstreckenraketen der Sowjetunion hin: Er befürchtete, die Fähigkeit der Sowjetunion, Westeuropa atomar angreifen zu können ohne dabei dessen Schutzmacht USA in Mitleidenschaft zu ziehen, könnte auf Dauer zu einer Entkoppelung der amerikanischen von den europäischen Sicherheitsinteressen führen. Er drängte daher auf den sogenannten NATO-Doppelbeschluss, der die Aufstellung von Mittestreckenraketen in Westeuropa vorsah, dies aber mit einem Verhandlungsangebot an die Sowjetunion verband, beiderseits auf diese Waffensysteme zu verzichten. Dieser Beschluss war in der Bevölkerung und vor allem in der eigenen Partei sehr umstritten. Aus der Protestbewegung gegen den Nato-Doppelbeschluss, die sich mit der wachsenden Zahl von Umweltschützern verband, ging am Ende von Schmidts Regierungszeit die neue Partei der Grünen hervor. Im Spätsommer 1982 scheiterte die von ihm geführte sozialliberale Koalition, vor allem an Differenzen im Bereich der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Am 17. September 1982 traten sämtliche FDP-Bundesminister zurück. Schmidt übernahm daher zusätzlich zum Amt des Bundeskanzlers noch das Amt des Bundesministers des Auswärtigen (wie als einziger Bundeskanzler vor und nach ihm nur Konrad Adenauer) und führte die Regierungsgeschäfte ohne Mehrheit im Bundestag weiter. Am 1. Oktober 1982 wurde durch ein konstruktives Misstrauensvotum mit den Stimmen von CDU, CSU und der Mehrheit der FDP-Fraktion Helmut Kohl zu seinem Nachfolger im Amt des Bundeskanzlers gewählt. Besonderheiten des Berufspolitikers Helmut Schmidt wurde während seiner politisch aktiven Zeit wegen seines Redetalents gerade auch von Gegnern "Schmidt Schnauze" genannt. Sein ökonomischer Sachverstand fand breite Anerkennung. Eine große Freundschaft verbindet ihn mit dem damaligen französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d’Estaing sowie mit dem ehemaligen Außenminister der USA, Henry Kissinger. Zusammen mit Valéry Giscard d’Estaing rief Helmut Schmidt 1975 den Weltwirtschaftsgipfel ins Leben, der als eigentlich informelle Zusammenkunft der Staats- und Regierungschefs der bedeutendsten westlichen Demokratien geplant war. Teilnehmer des ersten Treffens auf Schloss Rambouillet waren die Regierungschefs aus Deutschland, Italien, Japan, dem Vereinigten Königreich und den USA. Schmidt setzte sich für den Einsatz der Kernenergie in Deutschland ein und steht auch heute noch dazu. Helmut Schmidt ist bekennender Kettenraucher. In seiner 3Sat-Talkshow in den 1990er-Jahren rauchte er während der gesamten Sendung. Seine Kolumne bei der Wochenzeitung Die Zeit heißt Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt. Im öffentlichen Raum - etwa in der Hamburger Bürgerschaft - verbietet man ihm das Rauchen nach wie vor nicht. Selbst während Fernsehreportagen oder in Fernsehstudios raucht Helmut Schmidt. Einzig im Plenarsaal des Bundestages, in dem bereits früh ein Rauchverbot herrschte, stieg er während der Sitzungen auf Schnupftabak um. Die aktuelle Verschärfung heiß debattierter Rauchverbote in den Bundesländern hält er für eine vorübergehende gesellschaftliche Erscheinung. In Tübingen, wo er auf Einladung des Präsidenten der Stiftung Weltethos Hans Küng die 7. Weltethosrede hielt, führte Schmidt im Mai 2007 aus, in einer rechtsstaatlich-demokratischen Ordnung käme den Politikern und ihrer Vernunft, nicht aber einem spezifischen religiösen Bekenntnis die verfassungspolitisch entscheidende Rolle zu. Von den Wirkungsmöglichkeiten der Kirchen sei er moralisch, aber auch politisch und ökonomisch enttäuscht, und nichts sei für ihn unwichtiger als die Theologie. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten die Kirchen weder eine Neubegründung der Moral noch eine Neubegründung von Demokratie und Rechtsstaat geleistet. Trotz seiner gewachsenen Distanz bekenne er sich zum Verbleib in der Kirche, denn sie setze Gegengewichte gegen den moralischen Verfall.[14] Schmidt war mit seinen Freunden Egon Bahr und Theo Sommer ein häufiger Teilnehmer der Konferenzen der Trilateralen Kommission.[15] Ebenso war er Teilnehmer bei der Bilderberg-Konferenz und dem Bohemian-Grove-Event. Politische Positionen Innenpolitik Schmidt bezeichnet die Massenarbeitslosigkeit als das derzeit größte deutsche Problem.[16] Er lobt die Agenda 2010 seines Nachfolgers Gerhard Schröder. Ohne diese hätte die deutsche Konjunktur keinen Aufschwung in der aktuellen Größenordnung erreicht.[17][18] Gleichzeitig befindet er sich im Gegensatz zur Parteimeinung der SPD, indem er immer gegen die Herabsetzung der Volljährigkeit vom 21. auf das 18. Lebensjahr war.[19] Außerdem ist Schmidt entschiedener Befürworter der Kernenergie und Gegner des Atomausstiegs, welcher unter der rot-grün geführten Bundesregierung beschlossen wurde.[20] Die multikulturelle Gesellschaft bezeichnet er als "eine Illusion von Intellektuellen".[21] Außenpolitik Schmidt ist ein Gegner des geplanten Türkeibeitritts in die Europäische Union. Er befürchtet, dass der Beitritt die außenpolitische Handlungsfreiheit der EU gefährden würde, sowie ferner, dass der Beitritt und die damit verbundene Freizügigkeit die seiner Ansicht nach dringend gebotene Integration der in Deutschland lebenden türkischen Staatsbürgern aussichtslos werden ließe.[22][23] Den G8-Gipfel bezeichnet er als "Medienspektakel" und fordert die Erweiterung um China, Indien, die großen Erdöl-Exporteure und die Entwicklungsländer.[24] Für Schmidt ist die Debatte um die globale Erwärmung eine "reine Hysterie". Einen klimatischen Wechsel gebe es schon immer, die Ursachen hält Schmidt für "einstweilen nicht ausreichend erforscht".[25] Als größte internationale Herausforderung der Zukunft bezeichnet er die globale Bevölkerungsexplosion und die damit verbundene Bewältigung von Ernährungs-, Energie- und Umweltschutzfragen. Kunst Als Bundeskanzler sorgte Schmidt dafür, dass vor dem Bundeskanzleramt in Bonn die Skulptur "Large Two Forms" von Henry Moore aufgestellt wurde, die das Zusammengehören der Bundesrepublik und der DDR symbolisieren sollte. Schmidts Leidenschaft für Kunst führte so weit, dass er das Bundeskanzleramt mit zahlreichen Kunstleihgaben ausstatten ließ. Außerdem ließ er das Schild "Bundeskanzler" vor seinem Büro entfernen und stattdessen ein Schild mit der Aufschrift "Nolde-Zimmer" anbringen, welches auf die Kunst in seinem Büro hinweisen sollte. Für die Galerie ehemaliger Bundeskanzler im Kanzleramt entschied Schmidt sich 1986 für den Leipziger Maler Bernhard Heisig als Porträtisten. Diese Wahl wurde zu dieser Zeit als Überraschung empfunden, obwohl sie nur Schmidts eigenständigen und unabhängigen Kunstgeschmack kennzeichnete. Schmidt malt bis zum heutigen Tage noch selbst; seine beiden Häuser in Hamburg sind voller Bilder und Grafiken zahlreicher unterschiedlicher Künstler. Aber auch zur Musik hat Schmidt ein besonderes Verhältnis: Er war es beispielsweise, der als Bundesverteidigungsminister die Big Band der Bundeswehr ins Leben rief. Er selbst spielte Orgel und Klavier und ist ein Verehrer der Musik von Johann Sebastian Bach. Seit einigen Jahren empfindet er Musik wegen seines nachlassenden Gehörs eher als Qual denn als Genuss; auf dem rechten Ohr ist Schmidt nahezu taub, am linken trägt er eine künstliche Hörhilfe, die ihm das Hören mehr schlecht als recht ermöglicht. Helmut Schmidt hat mehrere Schallplatten aufgenommen, in denen er als Interpret der Werke klassischer Komponisten zu hören ist, so zum Beispiel von Wolfgang Amadeus Mozart, Konzert für drei Klaviere und Orchester KV 242, oder von Johann Sebastian Bach, Konzert für vier Klaviere und Streicher A-Moll BWV 1065, jeweils gemeinsam mit den Pianisten Christoph Eschenbach, Justus Frantz sowie Gerhard Oppitz. Ehrungen 1972 erhielt Schmidt für seinen Haarnetz-Erlass den Orden wider den tierischen Ernst des Aachener Karnevalsvereins. 1978 wurde er für sein Krisenmanagement in der Zeit des RAF-Terrors mit dem Theodor-Heuss-Preis und ebenfalls 1978 mit dem Friedenspreis der Louise-Weiß-Stiftung in Straßburg ausgezeichnet. Im Laufe seiner Regierungszeit und auch noch danach wurde Helmut Schmidt mit 30 Ehrendoktortiteln geehrt, darunter unter anderen auch Ehrendoktorwürden der britischen Universitäten Oxford und Cambridge, der Pariser Sorbonne, der amerikanischen Harvard- und der Johns Hopkins University, USA sowie auch der Keio-Universität in Japan. 1979 bekam er den Europa-Preis für Staatskunst. 1980 erhielt Schmidt die Goldman-Medaille für seinen Einsatz um Frieden und Menschenrechte. Den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland hat er, hanseatischer Tradition entsprechend, mehrfach abgelehnt (→Hanseaten und Auszeichnungen). Seit 1983 ist Helmut Schmidt Ehrenbürger seiner Heimatstadt Hamburg sowie von Bonn und Bremerhaven, seit 1989 von Berlin, seit 1995 der Barlachstadt Güstrow und seit 1998 des Landes Schleswig-Holstein. 1983 wurde Schmidt in Löwen Ehrendoktor der Katholieke Universiteit Leuven. Aus diesem Anlass wurde Schmidt auch Ehrenmitglied der K.V.H.C. Payottenland Leuven im KVHV, einer katholischen flämischen Studentenverbindung. 1986 wurde Helmut Schmidt mit dem Athena-Preis der Alexander-Onassis-Stiftung ausgezeichnet. 1988 erhielt Schmidt den Freedom Award der Franklin D. Roosevelt-Stiftung. Den Neapel-Preis des Journalismus bekam Schmidt 1990. Sein Buch Menschen und Mächte wurde 1990 mit dem Friedrich-Schiedel-Literaturpreis gewürdigt. Im Jahr 1996 wurde Schmidt mit dem spanischen Journalismuspreis Godo geehrt. Der Helmut-Schmidt-Journalistenpreis ist ein seit 1996 jährlich vergebener Preis der ING-DiBa für besondere Leistungen auf dem Gebiet des kritischen Verbraucherjournalismus durch verbraucherorientierte Berichterstattung über Wirtschafts- und Finanzthemen. Helmut Schmidt ist Schirmherr. Mit dem Carlo-Schmid-Preis wurde Helmut Schmidt 1998 geehrt. Im November 2001 wurde Bundeskanzler Helmut Schmidt gemeinsam mit seinem Freund und früheren französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d’Estaing für sein Engagement im Dienste der Europäischen Währungsunion mit der Goldmedaille der Stiftung Jean Monnet ausgezeichnet. 2002 war er der erste Preisträger der Martin-Buber-Plakette. Ebenfalls 2002 erhielt Helmut Schmidt den Dolf-Sternberger-Preis. 2003 wurde zu Ehren von Helmut Schmidt ein Lehrstuhl für internationale Geschichte an der privaten International University Bremen nach ihm benannt. Im Dezember 2003 wurde die Universität der Bundeswehr in Hamburg in Helmut-Schmidt-Universität umbenannt, und Helmut Schmidt wurde darüber hinaus mit der Ehrendoktorwürde dieser Hochschule für seinen Einsatz für die wissenschaftliche Fortbildung von Offizieren Anfang der siebziger Jahre ausgezeichnet. Am 1. Oktober 2005 erhielt Schmidt den "Prix des Générations" der Initiative VIVA 50plus. Als herausragender Staatsmann habe "… Helmut Schmidt nicht nur das Zusammenleben der Generationen, sondern auch das Verständnis zwischen den Altersgruppen gefördert…". Ebenfalls im Oktober 2005 wurde Helmut Schmidt mit dem Oswald-von-Nell-Breuning-Preis der Stadt Trier ausgezeichnet. Gewürdigt wurde damit die "Ernsthaftigkeit, mit der sich Helmut Schmidt immer wieder auch Fragen eines gerechten sozialen Ausgleichs gestellt"[26] habe. Am 24. Januar 2006 wurde ihm im Auswärtigen Amt in Berlin zusammen mit dem ehemaligen französischen Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing der Adenauer-de Gaulle-Preis für sein Wirken um die deutsch-französische Zusammenarbeit verliehen. Am 27. Februar 2007 wurde Schmidt von der Philipps-Universität Marburg mit der Begründung "Das der Aufklärung verpflichtete Fach Philosophie erkennt in Helmut Schmidt den Philosophen im Politiker" die Ehrendoktorwürde im Rahmen der Christian-Wolff-Vorlesungen verliehen.[27] Die Ehrung wurde von Lehrenden der Politikwissenschaft heftig kritisiert. Sie sahen darin ein symbolisches Ende der marxistischen Tradition Wolfgang Abendroths in Marburg und stellten zugleich die sachliche Verleihungswürdigkeit Schmidts in Frage. Am 8. Juni 2007 wurde Helmut Schmidt als Erster überhaupt mit dem Henry-Kissinger-Preis der American Academy in Berlin ausgezeichnet. Damit ehrte ihn die American Academy als Publizist für seine herausragende Rolle in der transatlantischen Kommunikation.[28] Neun Tage später erhielt er den undotierten Weltwirtschaftlichen Preis für seine realitätsbezogene Politik mit moralischem Pflichtbewusstsein.[29] |