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Letzte Aktualisierung dieser Seite 02. November 2008
Eintrag aus der Deutschen Wikipedia Hierbei handelt es sich um einen Auszug, abgerufen im September 2008. Die Inhalte können heute schon anders aussehen. Werner Johannes Hilpert (* 17. Januar 1897 in Leipzig; † 24. Februar 1957 in Oberursel) war ein deutscher Politiker (Zentrum, später CDU) und gilt als einer der Gründerväter der Bundesrepublik Deutschlands. Biografie Am 17. Januar 1897 kam Werner Hilpert als erster Sohn von Johann Baptist und Martha Hilpert, geborene Rabe, in Leipzig auf die Welt. Er wuchs in einfachen Verhältnissen im Stadtteil Neustadt auf. Der Vater arbeitete sich vom Kupferstecher zum Abteilungsleiter bei Giesecke & Devrient hoch. In seiner Schul- und Studiumszeit fiel Hilpert durch seine guten Leistungen auf. Nach Abschluss der Bürgerschule besuchte er das humanistische Nicolaigymnasium, wo er 1915 vom Lehrerkollegium den Nicolaitaner-Preis "für hervorragend tüchtige Leistungen bei lobenswertem Betragen" erhielt. Aufgrund seiner guten Noten bekam er nach dem Abitur ein Stipendium und im April 1916 begann er mit dem Studium der Nationalökonomie und Philologie. Dieses musste er im Juli wegen des Kriegsdienstes unterbrechen. Im Alter von 19 Jahren wurde er zum Heer einberufen und nahm an den Kämpfen in Rumänien und ab 1918 in Frankreich teil. Für seine militärischen Verdienste als Zugführer einer Minenwerfkompanie erhielt Hilpert die sächsische Auszeichnung der Friedrich-August-Medaille in Silber. Zusätzlich wurde er mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Als er im November 1918 aus dem Krieg in seine Heimatstadt zurückkehrte, nahm er das Studium wieder auf und promovierte im Juli 1920 zum Doktor der Philosophie. Er entschied sich aber nicht für eine akademische Karriere, denn es zog ihn in die Wirtschaft. Seine erste Anstellung fand er bei der im Aufbau befindlichen Sächsischen Staatsbank in Leipzig. Dort arbeitete er zunächst 3 Monate als Volontär und anschließend als Direktionssekretär. Ein halbes Jahr später wechselte er als Assistent zum Leipziger Verband des Einzelhandels. Gegen Ende des Jahres 1922 übernahm er die Funktion eines Syndikus, dessen Aufgabe die Regelung wirtschaftlicher Unternehmer- und Arbeitgeberfragen des Einzelhandels war. Unter seiner Leitung erreichte der Leipziger Einzelhandelsverband eine führende Stellung unter den Verbänden des Einzelhandels in Deutschland. Mit seinem Freund und Kollegen Otto Kitzinger brachte er die Zeitschrift "Der Einzelhandelsdienst" heraus. Von 1922 bis Ende 1932 übernahm Hilpert zusätzlich zu seinen Tätigkeiten im Leipziger Einzelhandelsverband das Amt des Hauptgeschäftsführers des Verbands deutscher Linoleumhändler, eines Preiskartells. Diese Arbeit führte ihn in alle Gebiete des Deutschen Reichs. Hilpert war von 1932 bis 1933 Landesvorsitzender der Zentrumspartei in Sachsen und saß wegen seines Widerstandes gegen den Nationalsozialismus 5 ½ Jahre im KZ Buchenwald ein. Hilpert war Zwangsarbeiter im Arbeitslager Ettersberg und trug die Nummer 5618. Anfangs musste er unter Knüppelschlägen und im Laufschritt in der Gärtnerei arbeiten, dessen Kommandeur als tyrannischer Todschläger berüchtigt war. Später kam er dann in die Schneiderei, wo bessere Umstände herrschten. Weil er sich weigerte, eine Unterschrift zu Ungunsten eines jüdischen Mandanten zu leisten, schlug ihm Weihnachten 1939 ein SS-Mann die Zähne aus. Diesen kannte er noch aus seiner Kindheit als Nachbarsjungen in Leipzig. Werner Hilpert gehörte er dem Volksfrontkomitee Buchenwald an. Die Begegnung mit dem ebenfalls inhaftierten Eugen Kogon führte zu einer lebenslangen Freundschaft. Nach der Befreiung durch die Amerikaner im Jahr 1945 war er einer von fünf Deutschen beim Internationalen Lagerkomitee Buchenwald. Da er während seiner Gefangenschaft viel Respekt unter den Insassen erlangte, war er besonders dafür geeignet, für die Aufrechterhaltung von Disziplin und Ordnung im Lager zu sorgen. Zu seinen weiteren Aufgaben gehörten unter anderem die medizinische Betreuung und Sicherung der Ernährungslage. Sein Name stand auf den "Weißen Listen" der Amerikaner und so wurde er mit bestimmten Aufgaben der amerikanischen Militärregierung betraut. Da qualifizierte Personen nach dem Sturz des Nationalsozialismus sehr rar waren, wurde er mit Angeboten überhäuft. Darunter zum Beispiel das Amt des Oberbürgermeisters von Leipzig. Dies lehnte er aber ab, denn von Politik hatte er erstmal genug. Der Amerikaner Ernest Biberfield (District Information Services Control Command) informierte die Familie über die baldige Übernahme Thüringens durch die sowjetische Besatzungsmacht und über den im Westen vermissten Sohn Werner Hilpert Jr. Eine Suche nach diesem würde sich in einer sowjetischen Besatzungszone als sehr schwer ergeben und heimkehrende Soldaten würden dann vermutlich direkt wieder eingezogen werden. Biberfield bahnte ihnen den Weg in den Westen, aber Hilpert hatte starke Bedenken, da er seine Freunde und Bekannte nicht im Stich lassen wollte. Doch die Umstände überzeugten ihn doch noch dazu und er reiste auf Einladung des amerikanischen Hauptquartiers nach Frankfurt in die amerikanische Zone. Die Besatzungsmacht plante eigentlich, Hilpert mit der Reorganisation der Filmindustrie zu beauftragen, doch diese Aufgabe wurde hinfällig. Stattdessen wurde er auf Empfehlung der Militärregierung hin, zum Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Frankfurt ernannt. Hilpert verfolgte kurzfristig gesehen zwei Ziele mit der Handelskammer. Zum Einen wollte er die IHK zu einer demokratischen Einrichtung machen und zum Anderen wollte er eine übergeordnete, politische Verwaltungsinstanz für das gesamte Rhein-Main-Gebiet schaffen. Die Rhein-Main-Region war für Hilpert ein typisches Beispiel dafür, dass die politischen Verwaltungsbezirke nicht den Erfordernissen der Wirtschaft entsprachen. Diese Umstände beeinträchtigten die Aufgaben der Kammern wie einheitliche Besteuerung oder Entnazifizierung. Er schlug der Militärregierung also die Schaffung einer Rhein-Main-Handelskammer vor. Davon versprach er sich generell eine Koordinierung der gemeinsamen Arbeit und eine größere Durchschlagskraft bei der Vertretung von Verbandsinteressen. Am 7. August war es in Hessen soweit: Repräsentanten von neun verschiedenen hessischen Kammern traten zusammen und beschlossen, sich alle 14 Tage zu treffen, um in bestimmten Fragen einen einheitlichen Standpunkt zu erzielen. Hilpert beabsichtigte, die Kontakte der Kammern über die amerikanische Zone hinaus zu erweitern. Deshalb nahm er Kontakt zu Kammern der britischen und französischen Zonen auf und lud ihre Vertreter zu Sitzungen ein. Hessens Handelskammern nahmen rasch eine Pionierstellung in Deutschland ein. Nach 1945 gehörte er zu den Mitbegründern der CDU in Hessen und wurde deren erster Landesvorsitzender. Vom 1. November 1945 bis 5. Januar 1947 war er stellvertretender Ministerpräsident des Landes Hessen. Er war von 1946 bis 1947 Minister für Wirtschaft und Verkehr und vom 6. Januar 1947 bis 1950 Minister der Finanzen. Dem Deutschen Bundestag gehörte er in der ersten Legislaturperiode bis zu seiner Mandatsniederlegung am 10. Oktober 1949 an. Von 1952 bis zu seinem Tode war er Präsident und Finanzdirektor der Deutschen Bundesbahn. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion sprach sich zwar für Hilpert als ersten Präsidenten des gesamten Vorstands aus, Bundeskanzler Adenauer hingegen wollte ihn lieber als Finanzfachmann sehen. Werner Hilpert gilt als einer der Gründerväter der Bundesrepublik Deutschland und war 1949 der aussichtsreichste Anwärter auf das Amt des Bundeskanzlers und damit Gegenspieler von Konrad Adenauer. Ehrungen Nach Werner Hilpert sind eine Vielzahl von Straßen benannt. So z.B. die Werner-Hilpert-Str. in Wiesbaden, Kassel, Dietzenbach oder die Hilpertstraße in Darmstadt. In Oberursel wurde eine Siedlung, die Dr.-Werner-Hilpert-Siedlung, nach ihm benannt. In Hamburg-Eidelstedt gibt es seit 1964 in einer Eisenbahnersiedlung einen Hilpertweg. |